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Schulpolitik im Land ist ein heißes Eisen

Geschrieben am 26.06.15

bildung

Mosbach. (brw) Umfragen zufolge sind 60 Prozent der Baden-Württemberger mit der Bildungspolitik unzufrieden. Und der Südweststaat wäre nicht das erste Bundesland, in dem Bildungspolitik die Wahl entscheidet. Kein Wunder, dass alle Parteien ein Jahr vor der Landtagswahl dieses Feld sorgfältig beackern.

Wie die Positionen der CDU aussehen könnten, dazu hatten der Mosbacher CDU-Stadtverband und die Kreis-CDU die Expertin Dr. Donate Kluxen-Pyta eingeladen. Sie ist Vorsitzende des CDU-Landesfachausschusses Bildung und stellvertretende Abteilungsleiterin für Bildung der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände, außerdem Landtagskandidatin sowie Mutter von sieben Kindern.

Im Café „Haaß“ in Nüstenbach befasste sie sich gleich mit einer ganzen Reihe von heißen Eisen. Dabei ging es um Ganztags- und Gemeinschaftsschulen, die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung, den Rückgang der Schülerzahlen und die gestiegenen Bildungserwartungen von Eltern. Aber auch Verwaltungsprobleme wie Lehrermangel und die schwierige Besetzung von Schulleiterstellen nahm sie ins Visier.

Ganz klar im Mittelpunkt der Überlegungen stehe für die CDU das Kind und mit ihm ein Schulsystem, das an Begabung und Leistung ansetzt. Auf alle Fälle sei ein differenziertes Schulsystem vonnöten. Kluxen-Pyta räumte ein, dass einige CDU-Positionen noch nicht endgültig feststehen würden. Unterschiedliche Meinungen gibt es etwa zur Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Zwar sei die Mehrheit der Partei wie auch die JU für deren Wiedereinführung, doch die Referentin hält es für „problematisch“, ein Recht, welches man den Eltern einmal gegeben hat, wieder zurückzunehmen.

„In die Mangel genommen“ sieht sie vor allem die Realschulen. Bis zu einem Viertel der Realschüler wären Expertenmeinungen zufolge eigentlich besser auf der Hauptschule aufgehoben. Um der Breite der Schülerschaft gerecht zu werden, kann sich die CDU für die Mittelstufe der Realschulen einen Zug mit eigenem Profil und viel Praxis vorstellen, der die Kinder zum Hauptschulabschluss führt. Die Werkrealschulen und die Hauptschulen sollen zunächst bestehen bleiben, könnten sich aber schlussendlich zur „Realschule Baden-Württemberg“ entwickeln.

Parteikonsens bestehe dagegen darin, die Gemeinschaftsschulen nicht weiter auszubauen. Ganztagsschulen sieht Kluxen-Pyta eher in einer offenen Form und somit die Stärkung der Wahlfreiheit der Eltern. Die Wogen um G 8 und G 9 hätten sich geglättet. Die Praxis hätte gezeigt, dass eine Verschiebung von Realschülern in G 9, von Gymnasiasten in G 8 und Hauptschülern in die Realschulen stattgefunden hätte. Nachdem sich dies jetzt fürs Erste eingespielt hätte, lehnt die CDU ein flächendeckendes G 9-Angebot ab. Die endgültigen Leitlinien der CDU-Bildungspolitik würden am Parteitag im November festgezurrt. Am Ende ihres Vortrags stellte sie heraus, dass die berufliche Bildung ein wichtiges CDU-Anliegen sei. Diese wird nach Kluxen-Pytas Ansicht von der jetzigen Landesregierung eher „stiefmütterlich“ behandelt.

Die Diskussion eröffnete CDU-Stadtrat Werner Baier mit der Frage, ob Mosbach wie die Umlandgemeinden auch die Gemeinschaftsschule einführen müsse. Darauf antwortete Schulrätin Britta Lorenz, dass Mosbach auch ohne Gemeinschaftsschule auf dem richtigen Weg sei. Nachdenklich stimmten die Einschätzungen von Lorenz gegen Ende der Veranstaltung, nach denen es derzeit so viele gescheiterte Schulkarrieren und so viele Kinder- und Jugendliche in der Kinder- und Jugendpsychiatrie wie auch selbstmordgefährdete Schüler gäbe wie noch nie. Als Hauptgrund sieht sie, dass die Kinder an den überzogenen Erwartungen ihrer Eltern zerbrechen würden. Referentin und Zuhörern dankte abschließend der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Dr. Alexander Ganter.

© Foto: CDU/Christiane Lang

(c) B. Wössner


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