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„Der Kompromiss steht am Ende, nicht am Anfang“

Geschrieben am 22.02.17

CDU-Veranstaltung im „fideljo“: MdB Dr. Carsten Linnemann (Paderborn) referierte zur „Politikverdrossenheit“

Dr. Carsten Linnemann (4.v.li.) mit MdB Alois Gerig, Vertretern von MIT und CDU sowie Diakonie-Chef Dr. Hanns-Lothar Förschler (6.v.li.).

Mosbach. (jbl) „Warum soll ich eigentlich noch wählen gehen?“, diese Frage stellen sich wohl viele Bürger vor der Bundestagswahl. Und diesem Problem, nämlich der Politikverdrossenheit in der Bevölkerung, versucht Dr. Carsten Linnemann, der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, auf den Grund zu gehen. Seit 2009 vertritt er im Bundestag den Wahlkreis Paderborn, und acht Jahre lang besuchte er jeden ersten Sonntag im Monat „Familien ohne Parteibuch“. Zu Hause bei ihnen bei ihnen am Küchentisch führt er Gespräche über die große und die kleine Politik, ganz privat. Entstanden ist daraus ein Buch. Der Titel: „Die machen eh, was sie wollen“.

Am Freitagabend war er am „Küchentisch“ der CDU im „fideljo“ zu Gast. Zusammen mit MdB Alois Gerig gab sich der Referent auch hier offen und diskussionsfreudig. Da seine Eltern eine Buchhandlung in Paderborn betrieben, wurde er schon früh mit den Problemen des Mittelstands konfrontiert, erzählte er. Im Anschluss an sein Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der TU Chemnitz, ging nach seiner Promotion 2006 zur Deutschen Bank sowie später zur IKB Deutsche Industriebank Düsseldorf und lernte so das Bankenwesen kennen.

„Was ist in Deutschland passiert?“, fragte Linnemann. „Wie kann es sein, dass zum Beispiel Boni für Nichtleistung ausgezahlt werden?“ Auch schnelle Schlüsse leisteten der Politikverdrossenheit Vorschub: Mit Flüchtlingen wurden Einbrüche und eine wachsende Kriminalitätsrate assoziiert. Die Stimmung kippte, der Bürger habe Politik als „Einheitsbrei“ wahrgenommen. „Dann kam die AfD.“ Man habe aus Protest gewählt.

Wo muss man anpacken, um dem Bürger, dem Wähler, wieder eine Perspektive aufzuzeigen? Den Wählern rät Linnemann: „Eine gesunde Kritik gegenüber den Parteien ist wichtig.“ An seine Parteikollegen appelliert er, Offenheit zu üben: „Wir müssen ein Interesse daran haben, dass Parteien sich unterscheiden.“ Wählen könne man nur, wenn es Unterschiede gebe. „Kante zeigen“ sei angesagt. „Der Kompromiss steht am Ende, nicht am Anfang.“

Alois Gerig stellte sich in der anschließenden Diskussion den Fragen aus den Besucherreihen. Auch die massiven Anschuldigungen, Fehler in der Flüchtlingspolitik gemacht zu haben, ließ Gerig nicht unbeantwortet. „Wir sind ein reiches Land, und deshalb sind wir Deutschen in der Pflicht“, so der Bundestagsabgeordnete. Er warnte vor Horrorszenarien und mahnte zum kritischen Hinterfragen von Schlagzeilen. Menschen, die Tausende von Kilometern um ihr Leben gelaufen sind, könne man nicht einfach vor verschlossenen Türen stehen lassen. Dass man in diesem Rahmen nicht alles richtig gemacht habe, räumte Alois Gerig ein: „Wer etwas macht, der macht auch Fehler.“

Einen Fehler hatten die Veranstalter – die Mittelstandsvereinigung (MIT) der Kreis- CDU, der Stadtverband sowie die Junge Union Mosbach – mit der Einladung des Referenten gewiss nicht gemacht. Die Veranstaltung war gut besucht, rege verlief die Diskussion. Den geplanten Rundgang durch die Räumlichkeiten der Diakoniekliniken verschob man daher auf einen anderen Zeitpunkt. Dank sprach die MIT-Kreisvorsitzende Ariane Spitzer für die Gastfreundschaft in der Johannes-Diakonie Mosbach aus.

© Text/Foto: Judith Blüthner


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