Roman Herzog hielt den Parteien den Spiegel
vor
Sommertreff mit Bundespräsident a.D. Herzog - CDU
Neckar-Odenwald-Kreis zu Gast auf dem Ferienbauernhof Gerig
Mit dem Thema "Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit Chancen
für die Zukunft unserer Gesellschaft" setzte sich am Samstag
Bundespräsident a.D. Professor Dr. Roman Herzog anlässlich des
Sommertreffs der CDU Neckar-Odenwald-Kreis kritisch auseinander.
Auf dem festlich geschmückten Ferienbauernhof der Familie Gerig
hielt Herzog dabei neben allen anderen Parteien auch seiner CDU
den Spiegel vor und ging mit verschiedenen Entwicklungen
insbesondere in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland hart ins Gericht.
Die Begriffe Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit seien, so
Herzog, 60 Jahre eine gemeinsame Überzeugung aller politischen
Kräfte gewesen, auf der die Parteien basierten. Dieser Konsens
sei jedoch seit der Gründung der neuen Linken am Bröckeln. Um
die richtige Weiterentwicklung dieses Konsenses habe man immer
wieder mit dem politischen Gegner streiten müssen, man stand
dabei jedoch immer noch auf den gleichen Grundsätzen. Die Linke
mit Oskar Lafontaine an der Spitze betrachtet Herzog jedoch als
Gegner des Systems und verfolgt mit Sorge, dass hier ein hohes
Gut verloren geht und sich niemand ernsthaft dagegen stemmt.
Als gelungenes Beispiel im Umgang mit den politischen Rändern
führte Herzog dazu Edmund Stoiber an, der sich nach dem
Erstarken der Republikaner vor 15 Jahren lautstark mit diesen
auseinandersetzte und so erreichte, dass sie in Bayern im
Gegensatz zu vielen anderen Bundesländern nie Fuß fassen
konnten. So wünscht sich Herzog auch heute eine viel aktivere
Auseinandersetzung mit der Linken. Auch wenn in der heutigen
Zeit Probleme wie Pilze aus dem Boden schießen, ergäben sich
daraus jedoch ebensoviele Chancen. Und nur wer über
größtmögliche Freiheit verfüge, könne die Probleme anpacken und
Chancen nutzen. Lasst die Menschen arbeiten, planen und
gestalten, so Herzog wörtlich, dann wird mehr daraus, als in der
besten Bürokratie.
Mit einem Höchstmaß an Freiheit werden die Menschen ihre Chancen
auch nutzen, die Solidarität dürfe dabei jedoch unter keinen
Umständen auf der Strecke bleiben. Auch heute noch vorhandene
Übertreibungen in der Sozialpolitik müssten zwar beseitigt
werden, aber es dürfe auch nicht alles in den Taschen derer
verbleiben, die es erwirtschaften. Solidarität sei dabei jedoch
keine Einbahnstraße. Leistungsempfänger müssten ihre
Arbeitskraft dann auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.
In diesem Zusammenhang betrachtet Herzog den aktuellen
wirtschaftlichen Aufschwung mit einem lachenden und einem
weinenden Auge. So sei es natürlich positiv wenn die Wirtschaft
läuft, die Arbeitnehmer müssten daran jedoch auch wieder mehr
partizipieren. Angesichts von nunmehr 15 Jahren ohne Lohnzuwachs
nütze es wenig, "wenn wir auf den Weltmärkten zu erfolgreich
sind und zu Hause die Solidarität wegbricht". Deutschland dürfe
nicht Musterschüler in der Welt sein, wenn man zu Hause der
Koloss auf tönernen Füßen sei. Hier sieht Herzog eine
Grundsatzauseinandersetzung unserer Gesellschaft für die
kommenden Jahre: persönliche Freiheit einerseits, Solidarität
andererseits.
Mit dem aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung und der damit
verbundenen verbesserten Kassenlage von Bund, Ländern und
Kommunen zeigte sich Herzog äußerst zufrieden. Nun müsse jedoch
die Chance genutzt werden, auch die Staatsfinanzen in Ordnung zu
bringen. Die Ausgaben dürften auf keinen Fall gleich bleiben,
wenn die Einnahmen wieder einmal sänken. Diesbezüglich sei die
Bundesregierung jedoch auf einem guten Weg, die richtige Balance
zwischen Schuldentilgung und Investitionen in die Zukunft zu
finden. Im Unterschied zur öffentlichen Wahrnehmung sei er auch
der Ansicht, dass die große Koalition bereits viele Probleme aus
dem Weg geräumt habe. Bei diesem Umfang der Veränderungen könne
es nur so gemacht werden, dass am Ende alle schreien, so Herzog.
Als Schlusswort gab er denn auch der CDU und ihren
Mandatsträgern mit auf den Weg, zukünftig das Erreichte weitaus
offensiver zu verteidigen.
Höpfingens Bürgermeister und CDU-Kreisvorsitzender Ehrenfried
Scheuermann, Gastgeber und Kreisrat Alois Gerig, Landrat Dr.
Achim Brötel und Dr. Thomas Ulmer, MdEP, dankten allen
Organisatoren und Helfer des Sommertreffs.
Am Rande der Metropolregion habe man es nicht immer einfach,
sich zu behaupten, so Dr. Brötel in seinem Grußwort. Aber das
Gute werde sich letztendlich auch hier durchsetzen. So betonte
auch Bürgermeister Scheuermann den örtlichen Zusammenhalt als
große Stärke in den ländlichen Regionen und insbesondere
natürlich in Höpfingen. Man habe aufgrund des Erreichten allen
Grund zu feiern und werde dies auch tun. Die Qualitäten des
Neckar-Odenwald-Kreises betonte denn auch Dr. Thomas Ulmer, MdEP
in seinem Schlusswort. Man sei schließlich eine der wenigen
Metropolregionen mit eigenem Staatsvertrag. Dem
Neckar-Odenwald-Kreis gehe es gut wenn auch in gesicherter
Armut. Für die Zukunft bestärkte Ulmer alle Mandatsträger darin,
so weiter zu arbeiten wie bisher, aber auch hin und wieder mehr
Mut zu zeigen und mehr zu wagen. Aktionen und Themen müssten
noch stärker von der CDU für sich beansprucht werden. (rs)
© Fränkische Nachrichten - 23.07.2007