CDU will "christliches Menschenbild" als
Richtlinie
Kreisparteitag debattierte neues
Grundsatzprogramm / Union betrachtet Klimaschutz als "Bewahrung
der Schöpfung"
Limbach. Man hielt sich nicht lange mit
Formalitäten auf. Stattdessen gab man in der größten Halle der
Gemeinde Limbach dem Wesentlichen mehr Raum: dem neuen
Grundsatzprogrammm, das im Mittelpunkt des Kreisparteitages der
CDU stand. Vorgestellt wurde die Programmatik vom
baden-württembergischen CDU-Generalsekretär Thomas Strobl. Der
nannte ein "christliches Menschenbild" als Richtlinie des neuen
Programms. Darin enthalten sei die Ehe im herkömmlichen Sinne
als etwas besonders Schutzwürdiges. Außerdem beinhalte es die
Grundsätze Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit.
CDU-Kreisvorsitzender Ehrenfried
Scheuermann begrüßte alle Gäste. Limbachs Bürgermeister Bruno
Stipp freute sich über die Wahl des Tagungsorts. JU-Vorsitzender
Bernhard Bangert warb für Gemeinsamkeit zum Wohle der Bürger.
Seine Organisation und die Gesamt-CDU könnten Vieles bewegen,
die JU sei dazu bereit.
"Das Gute bewahren in Verantwortung für die
Menschen, Herausforderungen heute und morgen -
Gestaltungsanspruch der CDU" lautete der Titel des Referats von
Thomas Strobl. Das letzte Grundsatzprogramm von 1994 sei in die
Jahre gekommen, betonte er. Antworten auf die neuen, großen
Herausforderungen wie Demografischer Wandel, Globalisierung,
bedrohte Schöpfung und Terrorismus seien im neuen Programm
vereint.
Strobl nannte den Programmentwurf eine
"optimistische Politik". Dazu sei notwendig, das Gute zu
bewahren. Die CDU, so Strobel, verfüge über einen reichhaltigen
Schatz an erfolgreichen Programmgrundsätzen. Weder der Zeitgeist
sei gefragt, noch das Ewiggestrige. Stattdessen gehe es um
Wissen und Erfahrung gepaart mit dem festen Willen, "unser Land
auch in Zukunft in Regierungsverantwortung positiv zu
gestaltet".
Strobel sprach von Freiheit, Solidarität
und Gerechtigkeit - Grundwerte seit 1945. "Der frei handelnde
Bürger ist der Kern unseres Gemeinwesens", so der
CDU-Generalsekretär. Solidarität unter Betonung des Prinzips der
Subsidiarität umfasse "Hilfe zur Selbsthilfe" für die, welche
sich nicht selbst helfen könnten. Unter Gerechtigkeit versteht
die CDU Chancen- und Leistungsgerechtigkeit. Sozial gerecht sei
nur, die Belastung auch gerecht zu verteilen. Eine Politik für
Bildung und Arbeit sei anzustreben, um dies zu erreichen. Das
neue Leitbild sei die "Chancengesellschaft", so Strobl. Außerdem
gelte der Satz "Im Zweifel für die Freiheit". Die Freiheit wurde
nach Ansicht des Referenten in den vergangenen Jahren
vernachlässigt. Mut zur Freiheit gehe nicht ohne Rückzug des
Staates.
Zum Zustandekommen des Grundsatzprogramms
seien alle Glieder der Partei aufgerufen gewesen, ein Programm
zu erstellen, das die Gefühlslage von Menschen in allen Teilen
Deutschlands - ob Gläubig oder Nicht-Gläubig - widerspiegelt.
Den demografischen Wandel sieht Strobl als
Herausforderung und Glücksfall zugleich. "Wir stehen für ein
altersgerechtes Deutschland, wir schieben ältere Menschen nicht
aufs Abstellgleis, wir sind fürs Eingebundensein in Familien und
Gesellschaft", so Strobel. Die Menschen müssten sich auf die
Solidarität der Gesellschaft verlassen können.
Die Familie bezeichnete Strobl als
Keimzelle der menschlichen Gesellschaft. Nur intakte Bindungen
seien gute Voraussetzungen für die Entfaltung des Menschen. Zur
Familie zählte Strobl Kinder, Eltern und Großeltern - alle
müssten ein Leben lang für einander da sein. Kinder aus
nichtehelicher Gemeinschaft bedürfen selbstverständlich genau so
Unterstützung wie die in traditionellen Familien. "Das heißt
aber nicht, dass wir die Familie zu einer beliebigen Form der
Wohngemeinschaft machen dürfen", so der Generalsekretär. Er
sprach über Bildung und Forschung, über das Leitmotiv "Aufstieg
durch Bildung" und über Chancengleichheit, über nationale
Bildungsstandards, über die Verzahnung von Kindergarten und
Grundschule. Auch bräuchte die Gesellschaft einen starken Staat
für schwache Eltern.
Der Referent sprach von einer bedrohten
Umwelt und von der "Bewahrung der Schöpfung". Von der
Reduzierung der Treibhausgase war die Rede und von der
Minimierung der Erdwärme. Seine Partei setze auf erneuerbare
Energie, ohne die Atomkraft als Brückentechnologie
auszuklammern.
"Globalisierung bietet unserem Land vor
allem Chancen", so Strobl. Die CDU bekenne sich dazu, die
Globalisierung steuern zu wollen, um Fehlentwicklungen zu
vermeiden. Die Soziale Marktwirtschaft bleibe Wirtschafts- und
Gesellschaftsmodell im einem. Es gelte aber verstärkt, Freiheit,
Gerechtigkeit und Solidarität nicht zu vernachlässigen. Er
sprach vom den Willen die CDU, soziale Sicherheit für alle
Generationen aufrechtzuerhalten. Strobel sprach sich für weniger
Schulden durch den Staat aus.
Auch der Begriff der Leitkultur, der in der
öffentlichen Diskussion umstritten ist, bleibt beim
CDU-Grundsatzprogramm nicht außen vor. Die kulturelle Identität
müsse gewahrt bleiben, Patriotismus und Bekenntnis zur Nation
sollen gelten, wie auch die Basis der Leitkultur in Deutschland,
so Strobel. Deutschland wäre als Integrationsland ohne
christliches Menschenbild überhaupt nicht zu denken. "Wir
akzeptieren weder rechtsfreie Räume noch
Parallelgesellschaften", so Strobel.
Deutlich sprach er sich für einen Einsatz
der Bundeswehr im Inneren aus. Die Bundeswehr nur zur
Verteidigung der Landesgrenzen einzusetzen, ist für Strobl
angesichts terroristischer Bedrohungen nicht mehr denkbar. Zum
Schluss sagte er: "Es ist uns ernst. Hinter dieser Arbeit steht
der Anspruch, unser Land auch im 21. Jahrhundert
christdemokratisch zu gestalten. Bundesbedenkenträger gibt es
genug, wir wollen Möglichmacher sein".
Die anschließende Diskussion nahm einige
Gedanken der Referates auf. Drei Anträge vom Stadtverband
Mosbach, von der JU Buchen, Mudau, Seckach und Walldürn und vom
CDU-Stadtverband Ravenstein wurde angenommen, besprochen und der
Kreis-CDU anheim gestellt, sie der Landesregierung vorzulegen.
Das Schlusswort war dann Minister Peter Hauk vorbehalten. Er
endete mit den Worten: "Es gilt, die sich verändernde Welt nicht
in die Hand von Unsozialen fallen zu lassen". WB
Fränkische Nachrichten
17. September 2007